Die Nordseewerke

Die AG „Geschichtswerkstatt Emder Werften“

Vor ein paar Tagen traten die „Freunde der Seefahrt“ mit der AG „Geschichtswerkstatt Emder Werften“ in Verbindung. Es wurden erste Gespräche geführt, um die Möglichkeit der Kooperation zu betrachten. Man stellte fest, dass man ein gemeinsames Ziel hat: Die Präsentation eines  Berufsstandes, der droht, in Vergessenheit zu geraten. Das gilt für den deutschen Seemann genauso wie für den deutschen Weftarbeiter. Der Schiffbau hat in Deutschland einen ähnlichen Niedergang erfahren wie dei deutsche Seeschifffahrt. Die AG setzt sich im Wesentlichen aus Rentnern zusammen, die den größten Teil ihres Berufslebens auf Emder Werften zugebracht haben. Sie haben das Ziel, ihre Arbeit, den Schiffbau mit all seinen Facetten zu präsentieren und die Erinnerung daran wachzuhalten. Besonders die Glanzzeiten der 50er 60er und 80er Jahre sowie die Zeit vor WW2 sind da von Bedeutung.

Die Freunde der Seefahrt bewahren die Erinnerung an die Seefahrt in diesen Jahren. Es  wurde vereinbart, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und diese nach Möglichkeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die „ODIN“

Die „ODIN“ wurde 1928 von den Nordseewerken für die Seerederei „Frigga“ gebaut. Sie ist ein Beispiel der hohen Emder Schiffbaukunst. Auf diesem Foto ist sehr deutlich die Nietkonstruktion erkennbar. Die „ODIN“ sank am 09.05.1944 nach dem Auslaufen aus Narvik mit Bestimmungshafen in Deutschland nach einem Minentreffer. Es waren 32 Todesopfer zu beklagen.

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SS „ODIN“ 1928

Sammlung AG Geschichtswerkstatt

Serienschiffbau

Der Serienschiffbau war schon im Jahre 1925  in Emden Praxis, wie hier am Beispiel der „CLIVE“ und der „LANENA“ zu sehen ist. Beide Schiffe waren  66,44m lang, 10,60 m breit und hatten eine Seitenhöhe von 4,75 m. Sie waren mit 1068 BRT vermessen und konnten 1600 t laden. Eine Dreifach-Expansionsmaschine mit einer Leistung von 800 PSi brachte die Schiffe auf eine Geschwindigkeit von 10 kn. Die „CLIVE“ wurde gebaut für die „Anfartygs-Aktiebolaget Österssjön“ in Göteborg/Schweden. Die „LANENA“ ging nach Melbourne in Australien an „William Holyman & Son“. Sie wurde im 1. Quartal des Jahres 1956 als „LANENA“ in Hong Kong abgewrackt. Die „CLIVE“ hatte ein bewegteres Leben. Sie wurde 1950 nach Hamburg an die Wendenhof GmbH verkauft und umbenannt in „DELPHIN“. 1954 ging sie an Kapitän Heinrich Krohn in Lübeck, der sie in „KAPMÖVE“ umtaufte. 1959 kaufte sie ein griechischer Reeder, Raphael D. Melahrinos aus Piräus, der sie schlicht und einfach „OLGA“ nannte, und sie bis 1965 betrieb. Danach erwarb sie der griechischen Reeder Kapataniou Bros. & Co. aus Piräus, der sie „SOFIA K “ nannte und bis 1971 fuhr, bis sie schließlich die Abwracker Ch. Christodoulou & A. Bokas aus Piräus erwarben und im Jahre 1971 in Perama abbrachen. Ein langes Leben für ein Schiff und ein Zeugnis für Qualitätsarbeit der Nordseewerke.

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SS „LANENA“ und „CLIVE“ 1925 an der Ausrüstungspier der Nordseewerke

 Sammlung AG Geschichtswerkstatt

Die „BRAGE“

Die „BRAGE“ war eines von vielen Schiffen der „Emden – Klasse“, die die Rheinstahl Nordseewerke für die Seerederei „Frigga“ baute. Auf den Übersichtsplänen die von der Werft erstellt wurden, konnten beispielsweise Charterer der Schiffe alle für sie relevanten Daten erkennen und entnehmen. Eine sehr nützliche Hilfe.

Übersichtsplan der "BRAGE"

Übersichtsplan der „BRAGE“

 Zum Vergrößern mit der rechten Maustaste auf den Plan klicken

 

Die „MUDYUG“ und die „KAPITÄN SOROKIN“

Die Nordseewerke entwickelten Ende der 70er / Anfang der 80er in Zusammenarbeit mit Dr. Heinrich Waas ein neues Konzept für die Konstruktion von Eisbrechern. Das Konzept sah einen besonders geformten Bug für diese Schiffe vor. Zur Erprobung wurde der deutsche Eisbrecher „MAX WALDECK“ 1981 mit diesem Bug ausgestattet. Die Erprobungen vor der finnischen Küste verliefen sehr erfolgreich. Die Nordseewerke entwickelten danach weitere Verbesserungen dieses Prinzips und rüsteten 1986 und 1990 die sowjetischen Eisbrecher „MUDYUG“ und „KAPITÄN SOROKIN“ ebenfalls mit dem neuen, sehr erfolgreichen Bug nach dem Thyssen-Waas-Prinzip aus. Der Zerfall der Sowjetunion bereitete der Fortsetzung dieser bahnbrechenden Erfindung ein vorzeitiges Ende.

Die nachfolgende Bilderserie wurde dem Museum „Freunde der Seefahrt“ von dem damaligen Projektleiter William Williams zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Bilder sind Werftfotos aus dem Buch „Die Nordseewerke 1903 – 2003“

 © William Williams

 Die „MUDYUG“ im Eis

Bei den Erprobungsfahrten nach dem Umbau der „MUDYUG“ zeigt sich die eindrucksvolle Wirkung des Umbaus. Das Schiff hinterlässt eine fast eisfreie Fahrrinne. Die Erprobungen wurden im Frühjahr 1987 im russischen Eismeer, vor Spitzbergen und im Franz-Josef-Land durchgeführt. Die Eisbrecherleistung hatte sich von 0,9m auf 1,4m erhöht. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 2 kn durch 1,5m dickes Eis reduzierte sich der Brst.Verbrauch auf ein Drittel (!) des vorherigen Wertes. Die „KAPITÄN SOROKIN“ war noch etwas leitungsstärker, sie verfügte über eine Antriebsleistung von 22.000 PS und konnte bei kontinuierlicher Fahrt 2,3m dickes Eis brechen, das bedeutete eine Leistungssteigerung bedingt durch den Umbau von 40 %.

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Das neue Vorschiff der „MUDYUK“ wird mit einem Schlitten in Positon gebracht

 

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Der eindrucksvolle Thyssen – Waas – Steven der „MUDYUG“

 

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Die Jastram – Wasserdüsen werden erprobt

 

Die „MUDYUK“ im Eis vor Sptizbergen

 

 

Dank ihres neuen Stevens erzeugt die „MUDYUK“ eine eisfreie Fahrrinne in fast 2 m dickem Eis

 

 Quelle: Werftbuch „Die  Nordseewerke“ 1903 – 2003″, Werftfotos

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