Das Rechenexempel

Wenn zwei verschiedene Parteien an der selben Sache rechnen, kann etwas völlig Unterschiedliches dabei herauskommen.

von Jonny Alberts

In dem Video von Jonny Alberts ist in einer kurzen Einstellung zu erkennen, wie auf der „MATHILDE“ auf See, mit Hilfe des bordeigene Kranes, Massengut  nach aussenbords gelöscht wird. Was hat das zu bedeuten? Jonny liefert die Erklärung:

Die „MATHILDE“ war kurz vor Weihnachten 1970 mit einer vollen Ladung Erz aus Tubarao/Brasilien in Rotterdam angekommen. Es wurde sofort mit dem Löschen begonnen, man kam zügig damit voran.

MS „MATHILDE SCHULTE“ in Emden Juni 1974

Nach zwei Tagen war die Ladung bis auf einen Rest von ca. 15000 t aus dem Schiff. Weihnachten stand vor der Tür und die Crew freute sich schon auf ein Fest im Hafen, denn so wie es aussah machte die Stauerei das Schiff nicht mehr bis zum Heiligabend leer. Das bedeutete damals einen weiteren Liegetag in Rotterdam, den nach damaligem holländischen Recht blieben Schiffe, die Heiligabend in einem holländischen Hafen lagen, auch noch am ersten Feiertag unbedient liegen, die Hafenarbeiter arbeiteten nicht. Die „MATHILDE“ hätte also auch noch am zweiten Feiertag in Rotterdam gelegen, so lange bis der Rest gelöscht war.

Man begann zu planen. Wer fährt nach Hause? Wer bleibt an Bord? Wer lässt die Familie an Bord kommen? Es wurden eifrige Überlegungen angestellt.

Auf der Seite des Charterers wurde auch geplant. Wieviel kostet uns ein Hafenliegtag? Wieviel Erz bleibt im Schiff, wenn bis zur letzten möglichen Minute, die noch ein Auslaufen vor der Weihnachtspause erlaubt, gelöscht wird? Was passiert mit der, im Schiff verbleibenden, Restladung?

Man kam zu dem Ergebnis, dass im Schiff ca. 5000 t Erz liegen bleiben würden, wenn die „Mathilde“ noch auf den letzten Drücker vor Weihnachten auslaufen würde. Damit stellte man folgende Rechnung an: Kosten für nicht abgeliefertes Erz (Vertragserfüllungsstrafe) gegen ersparte Liegekosten. Diese Rechnung ging eindeutig zu Lasten des Weihnachtsmannes, d.h. es wurde entschieden: Das Schiff läuft noch am Heiligabend bis Mittag aus! Fröhliche Weihnachten!.

So weit, so gut. Oder auch nicht gut,  Die Anschlußreise ging nicht wieder nach Tubarao. Dort hätte man die neue Ladung einfach auf die alte drauf geschüttet. Damit  wäre sogar noch eine Teil der „Verluste“ kompensiert worden. Es ging  nach Monrovia, bekam also eine andere Erzsorte geladen. Jetzt hatte man ein neues Problem.

Das wurde gelöst, indem man auf See die Luken aufzog und mit Hilfe des Bordkranes die verbliebene Ladung zu Neptun beförderte. 5000 Tonnen Erz – einfach außenbords – nicht zu glauben!

Bei dieser Aktion ging es nicht um Weihnachten für Seeleute sondern schlicht und ergreifend um Geld !

Ein Trost: Das Erz ist nicht weg . . . . . . .  es ist nur woanders.

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