Der Bäcker und das Heimweh

Vor Weihnachten wurde, wie üblich, der speziell für das Fest gedachte Proviant übernommen. Die „DUKEGAT“ befand sich zu dieser Zeit auf einem endlos langem Ostasien-Trip ohne Aussicht auf einen europäischen Hafen. Der Proviant kam in Singapore an Bord. Auf diesem Bild präsentiert der Salonsteward Evert Theesfeld die beiden mickrigen Weihnachtsbäume, die vom Schiffshändler an Bord gebracht wurden. Als Weihnachtsbäume nach deutschem Verständnis kann man diese Gewächse wohl kaum bezeichnen. Der Bäcker (mit weisser Mütze) ist sichtlich erschüttert über das, was da angeliefert wurde. Diese Weihnachtsbäume müssen das Heimweh in ihm geweckt haben. Laut Jan Behrends geschah später in Nachotka (russischer Hafen am Japanischen Meer) folgendes: Der Bäcker, der aus Berlin stammte, verliess mit den Worten „Icke verpfeiff mir“ das Schiff, und machte sich auf den Weg nach Hause. So weit die Füsse tragen. Ost-West-Tauwetter war zu diesem Zeitpunkt noch nicht angesagt, und so wurde er kurze Zeit später schon gesucht. Nach drei Tagen brachte ihn die Polizei zurück an Bord. So wurde es aus der ersehnten weissen Weihnacht zu Hause in Berlin nichts, und der Bäcker musste das Fest mit seinen Kameraden unter künstlichen Weihnachtsbäumen, fern der Heimat, feiern.

Weihnachtsbaum an Bord Singapoore Dez 67

Übernahme des Weihnachtsproviantes auf der „DUKEGAT“ Weihnachten 1964 in Singapore

© Jan Behrends

 

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