Schiffsverkauf mit Hindernissen

Diese Geschichte wurde uns von Wolgang Seidel zugesandt. Herr Seidel fuhr lange als Nautiker bei S&B. Er lebt heute als pensionierter Kapitän in China. Er ist dort verheiratet und geniesst seinen wohlverdienten Ruhestand.

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MS „AUGUSTE SCHULTE“ Maling von Jan Behrends

1976 fuhr ich als 1.Offz. auf der Auguste Schulte von S&B, allerdings nur 2 Monate, da das Schiff an die Franzosen verkauft wurde. Der Kapitän war W. Hinrichs. Die Übergabe fand in Le Havre statt. Auf der letzten Reise war schon der zukünftige franz. Kapitän an Bord der alles genau protokollierte, z.B. wie lange wir brauchten um die Luken zu öffnen und zu schliessen, mit der Stopuhr. Die Maschine hatte Probleme mit dem Getriebe, das hatte man den Franzosen verschwiegen. Ein Gerücht sagte, dass dem Chief während einer Inspektion, bei laufender Maschine, der Schlüsselbund reingefallen war. Die Reserveteile, ein grosses und ein kleines Zahnrad, waren schon lange an Bord, bevor feststand dass das Schiff verkauft werden sollte. Sie lagen, sorgfältig versteckt unter einer Persennige an Deck. Doch der franz. Kapitän war nicht auf den Kopf gefallen und fand die Teile. Der war natürlich ganz aus dem Häuschen, als unser Kapitän nun mitteilen musste, dass das Getriebe nicht in Ordnung war. Zwecks Übergabe ging das Schiff in Le Havre in die Werft. Das gute war, die Werft stellte uns ein Auto, und so machten wir schöne Ausflüge in die Umgebung. Eines Tages, wir kamen gerade von einem Ausflug zurück, stand die Feuerwehr und Krankenwagen vor dem Schiff. Was war passiert? Um das grosse Getriebezahnrad zu wechseln, mussten einige Dinge im Maschinenschacht abgebrannt werden, es passte nicht durch. Dabei ist ein Werftarbeiter rücklings, aus mehreren Metern Höhe, in das offene Getriebe gefallen. Ich weiss nicht ob er es überlebt hat.
Die Franzosen bestanden auch darauf, dass der Schwergutbaum repariert wurde, der hatte eine kleine Beule. Wenn ich mich recht erinnere war das ein 80 to Baum. Nach der Reparatur musste er natürlich getestet werden. Nun hatte die Werft aber das Problem das entsprechende Testgewicht zu beschaffen. Die hatten zwar eine Boje die mit Wasser gefüllt wurde, aber das reichte nicht. Da kam man auf die Idee, einen ausrangierten Stabilisator der France als zusätzliches Gewicht zu benützen. Die Boje kam von Seeseite, der Stabilisator von Landseite. Zuerst sollte die Boje längsseits geflutet und in den Laderaum gehievt werden, dann der Stabilisator von Landseite ebenso in den den Laderaum und dort zusammengebändselt werden. Doch die gefüllte Boje war fuer unsere Tankdecke zu schwer, also musste erst noch ein Fundament im Laderaum gebaut werden. Der Schwergutbaum war eine besondere Konstruktion. Je nach dem, von welcher Seite gearbeitet wurde, musste der Baum umgetakelt werden, das war eine Heidenarbeit. Inzwischen hatte man schon unsere Besatzung abgezogen. An Bord waren nur noch der Kapitän, der Bootsmann und ich.
Donnerstag wurde die Boje längsseits geschwommen, Freitagabend sollte die Übergabe stattfinden. Die Franzosen bestanden darauf, dass der Baum bis dahin von uns getestet wird. Man fing an die Boje zu fluten, gluck gluck, aufeinmal war sie verschwunden, aus irgend einem Grund war sie abgesoffen. Ein Taucher stand erst am nächsten Morgen zur Verfügung.
Der kam dann auch und installierte einen Pressluftschlauch an der Boje.
Die Boje kam dann auch kurz an die Oberfläche, doch dann riss der Schlauch ab, und sie verschwand wieder.
Abends fand die feierliche Übergabe im Salon statt und die franz. Flagge wurde gehisst, der Baum war immer noch nicht getestet (sollte am nächsten Morgen stattfinden).
Nach der Feier sagte unser Kapitän: „Jetzt gehört uns das Schiff nicht mehr, sollen die Franzosen sehen wie sie klar kommen, Morgen früh machen wir die Fliege“
So schlichen wir dann am nächsten Morgen heimlich um 5 Uhr von Bord in Richtung Bahnhof.

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