MS „LUCIE SCHULTE“ (1954-69)

DHBR, 1653 BRT / 2580 tdw, 77,12 x 11,63 x 6,03 / 6,75 m. 1 KHD – Sechszylinder – Viertakt – Dieselmotor mit 1250 PSe, 12 kn.
23.11. 1953 Stapellauf. 25.01. 1954 von der eigenen Werft als „LUCIE SCHULTE“ an Schulte & Bruns Hamburg, abgeliefert. 1959 auf die Schulte & Bruns KG übertragen. 1969 verkauft an die Tevega Reederei Jörg KG, Bremen. Umbenannt in „TEVEGA“. 1971 übertragen auf die Tevega Shipping Co. Ltd., Famagusta. Am 09.01.1974 auf der Reise von Antwerpen nach Tanger uns Casablanca mit Stückgut bei schwerem Wetter leckgeschlagen und in Pos 45°12“ N / 08° 29“ W in der Biskaya gesunken. Es überlebte lediglich der 1. Offizier den Untergang.

© Archiv Reederei Schulte & Bruns

IMG_0046 - Kopie

© Seehafen-Verlag Erik Blumenfeld

 

MS „LUCIE SCHULTE“ Einlaufen Dublin am 10.09.1954

© P: Sweenet, Dublin Ireland Nr. S1473

Die eleganen Linien des Schiffes werden auf diesem Bild, die das Schiff in abgeladenen Zustand zeigt deutlich. Die „LUCIE“ war ein Einzelstück. Es gab keine Schwesterschiffe. Warum??

Die MS „LUCIE SCHULTE“ am Südkai in Emden

MS „LUCIE SCHULTE“ beim Einlaufen in Dublin, Ireland.

Der ehemalige niederländische Honorarkonsul Johannes Riepma hat fast 25 Berufsjahre bei der Reederei Schulte & Bruns verbracht. Er hat 2017 – nach eigenen Angaben – einen Teil seiner Lebensgeschichte in einem Buch zusammengefasst und veröffentlicht. In einem Kapitel wird die „LUCIE SCHULTE“ erwähnt:

„Seine Exzellenz – Negemeddin Farhad, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter des Königreichs Libyen, ernannt von König Idris.

Der historische Hintergrund ist in dem Zusammenhang wichtig. Libyen wurde am 14.02.1951 als Königreich mit Muhammad Idris al-Sanusi als König gegründet. Libyenwar bei dem Nahostkonflikt zwischen Juden und Arabern an den Kriegen beteiligt. Zwischen Arabern und Juden herrschte eine Todfeindschaft.

„LUCIE SCHULTE“ wurde nach 12 Monaten Zeitcharter „ZIM NAVIGATION CO;“ in Eilat, israelischer Hafen im Golf von Akaba, aus dem Zeitmietvertrag entlassen. Da das Schiff anschließend den Suezkanal auf dem Weg in das Mittelmeer passieren musste, wurden alle Merkmale, die auf eine jüdische Verbindung hinweisen konnten, durch die Besatzung entfernt. Arnim Müller , 1.Offizier, hat die ZIM – Schornsteinmarke wieder durch die S&B – Marke ersetzt. Deck- und Maschinentagebücher usw. wurden durch neue Bücher ersetzt. Im Suezkanal ging alles gut. Es wurde dann in Odessa im Schwarzen Meer eine Weizenladung für Tripolis / Libyen geladen.

Bei Ankunft in Tripolis am 22.08.1961 haben die Libyschen Behörden Verdacht geschöpft und hielten nach langer Suche dann auch den Beweis,  „eine jüdisch beschriftete Eierkartonschale“ in Händen. Der deutschen Besatzung konnten sie auf neutralem Boden an Bord des Schiffes nichts anhaben. Hafenarbeiter haben drei Besatzungsmitglieder so geärgert, dass sie an Land gegangen sind. Sie wurden verprügelt und inhaftiert. Die Bemühungen der Reederei und des Reederverbandes über die Bundesregierung in Bonn etwas für die Leute zu erreichen, waren total vergeblich. Über einen, der Reederei bekannten, deutschen Honorarkonsul wurde die Verbindung zum libyschen Botschafter in Bonn hergestellt, um dort eine Befreiung der Leute zu erbitten. Ich wurde beauftragt, in Bonn vorzusprechen. Bei Ankunft in der Botschaft des Königreiches Libyen in der Koblenzer Straße habe ich mich bei einer deutschen Sekretärin kundig gemacht, wie ich am bestenvorgehen sollte, um den Botschafter gnädig zu stimmen. Seine Exzellenz – so sei er unbedingt anzusprechen – Negemeddin Farhad, außerordentlicher und bevollmächtigter vom libyschen König ernannter Botschafter, sollte man sehr untertänig begegnen. Ich dürfte nur mein Anliegen vortragen, Fragen an den Botschafter wären nicht erlaubt und ich hätte nur seine Fragen zu beantworten. Mir wurde die Tür zu einem riesigen Saal geöffnet. Im Saal stand auf einer Boden Erhöhung ein „Thron“. Dort thronte im wörtlichen Sinne der Botschafter. Alles, auch seine sehr massige Figur war sehr beeindruckend. Ich habe also mein Anliegen vorgetragen. S.E. zeigte sich verständnisvoll und wollte Gnade vor Recht ergehen lassen. Aber zuvor musste ich auf den Koran schwören, dass die Reederei nie wieder Geschäftsverbindungen mit den Israelis aufnehmen würde. Als Christ hat mich das nicht belastet, zumal es für die deutschen Seeleute geschah und vorsichtshalber habe ich auf dem Rücken die Finger gekreuzt. Die Mission war erfolgreich und die Seeleute wurden aus dem Gefängnis entlassen. Bei Ankunft der drei Unglückseligen auf dem Flughafen Bremen konnte ich feststellen, welche gesundheitlichen Auswirkungen eine Haft von „nur“ drei Monaten in einem libyschen Gefängnis hat.

Anm.: ZIM; Hebräisch im alten Testament, bedeutet „ großes Schiff“. Die ZIM – Schornsteinmarke zeigte anfangs „sieben mittig angeordnete, goldene Sterne“.“

Soweit der Bericht von Konsul Johannes Riepma, den wir hier aus seinem Buch: „Mit der Vergangenheit im Herzen, den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft“ mit seiner Genehmigung entnommen und wiedergegeben haben.

 

MS „TEVEGA“

Irgendwann Anfang der 70er Jahre wurde die alte „LUCIE“ nun als „TEVEGA“, sie fuhr für den Bremer Reeder Kapitän Jörg, von Charlie Hill in den West Docks von South Middle Goole abgelichtet. Für ihr Alter sah sie noch recht gut aus.

Die alte „LUCIE SCHULTE“ als „TEVEGA“ in den West Docks von Goole

© Charlie Hill + Peter William Robertson

Das kleine maritime Museum ist ganzjährig am Do + Fr + Sa von 10:00 bis 13:00 Uhr für Sie da.

Diese Fotografie wurde uns von einem Besucher zur Verfügung gestellt.

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