TS „JOHANNES FRITZEN“

DCOK, 24.636 BRT / 36807 tdw, 204,24 x 27,48 x 14,70 / 14,50m. 1 Siemens-Schuckert-AG Mühlheim-Turbine mit Getriebe 12700 PSw. Kesselanlage von Babcock & Wilcox Kesselbau AG, Oberhausen, Speed 16,0 kn. Bestellt als 25.000 tdw-Schiff. Im Februar 1981 wurde der Auftrag auf 35.000 tdw vergrößert. Am 21.02.1962 war Stapellauf – 1 Woche verspätet wegen Sturmflut. Am 03.07.1962 wurde das Schiff von der AG „WESER“, Bremen mit der Baunummer 1338 als „JOHANNES FRITZEN“ an Johs. Fritzen & Sohn, Emden abgeliefert. Im Mai 1963 an die Fritzen Schiffsagentur & Bereederungs GmbH übertragen. 1975 an die Sea Frigthers Inc., Buenos Aires, Mgrs Del Bene Ultramar Sacif, umbenannt in „PAMPERO I“. Im November 1979 erlitt der Frachter eine schwere Maschinenhavarie. Ankunft in Mantanzas / Venezuela am Haken des niederländischen Schleppers „SMIT ROTTERDAM“ am 25.05.1980. Zum Abbruch verkauft, weil die Reparatur sich als unwirtschaftlich erwies. Ankunft an Kaohsiung im Schlepp ca. 05.04.1981.

TS Johannes Fritzen 001

DIE TS „JOHANNES FRITZEN“ 1966 in IHI Aioi, Japan. Werftzeit + Klassearbeiten

© Volker Bosse

© Seehafen-Verlag Erik Blumenfeld

Volker Bosse Feb. 2016

Volker Bosse Februar 2016

VOLKER BOSSE, der als Kadett im Jahr 1966 auf der „JOHANNES“ fuhr / siehe SEEFAHRT =>MANNSCHAFTSLISTEN => TS „JOHANNES FRITZEN“ Juli 1966 sagt über Schiff und Reisen:
Der Erzfrachter hatte als Schulschiff gesonderte Einrichtungen für 12 Kadetten und einen Ausbildungsoffizier. Das Schiff war in unterschiedlichen Fahrtgebieten eingesetzt, z.B. In der Erzfahrt zwischen Chile und Japan. Eine Rundreise dauerte ca. 2 Monate. Die teilten sich auf in 4 Tage Laden und Löschen in Chile und Japan und zweimal 29 Tage bzw. 28 Tage Seetörn Chile – Japan – Chile. Volker Bosse schreibt darüber: „Nach einem Jahr waren wir alle etwas „anders“.“

Volker Bosse war auch im Besitz einer „Taufzeitung“ die er den FdS zur Verfügung stellte: Ein unbekannter Dichter hat sich hier auf eine sehr eindrucksvolle Weise verewigt. Kompliment !

 

Taufzeitung der TS „JOHANNES FRITZEN“

 

Am 19.11. 2016 schrieb uns das ehemalige Besatzungsmitglied der „JOHANNES FRITZEN“  Rudolf Gerresheimer hierzu eine Mail, die unterstehend wiedergegeben ist.

unbenannt

Hallo,

obwohl Ihr ja eine eingeschworene Schulte+Bruns-Gang seid, gebt Ihr uns Fritzen-Fahrern dankenswerter Weise trotzdem Raum, weshalb  ich gerne einen Nachtrag zum Beitrag von Herrn Bosse über ‚Johannes Fritzen‘ geben möchte.

Auch wir hatten 1964/65  Trips nach Narvik/San Juan/San Nicolas und Monrovia und sind 6 Monate von Chile zu diversen Häfen in Japan gefahren. Das waren Kobe, Tobata und Shimonozeki. 3 wunderbare Wochen verbrachten wir genauso wie die Bosse-Gruppe in der Werft in Aioi.

Auch wir wurden in der Zeit der langen Seeturns ‚anders‘, sehr anders.

An Deck schleppten  wir immer Handfeger an einer lange Leine  hinter uns her, unsere ‚Hunde‘.

Mit der Zeit hatten wir eine eigene Sprache entwickelt und hatten die Befürchtung, dass wenn mitten auf See Leute zugestiegen wären, diese uns für komplett verrückt gehalten hätten.

Ein Teil der Kadetten übte für die Landgänge in Japan einen speziellen Formationstanz ein und eine andere Gruppe übte das Aufschnappen von Zigaretten mit dem Mund ein, welche von anderen aus jeglicher Entfernung, auf die Frage nach einer Zigarette, zugeworfen wurden. Mit der Zeit hatten wir darin eine gewisse Perfektion nach tausenden von Versuchen erlangt.

Irgendwann ist uns tatsächlich ein kleiner Hund zugelaufen. ‚Jonas‘ genannt, welcher verwöhnt wurde ohne Ende und dessen versuchte  Aussetzung durch die Schiffsleitung in diversen Häfen mit Verbissenheit verhindert werden konnten. Irgendwann schafften wir das nicht mehr und große Trauer und Wut auf die Schiffsleitung erfüllte das Kadettendeck.

Klasse war der Swimmingpool zwischen zwei Luken, aber auch Verursacher diverser Nasenbrüche. Fast jeden Abend  sass man in einer Kammer und trank logischerweise Bier. Irgendwann nachts kam dann immer jemand auf die Idee in den Pool zu Springen ( in den Tropen sowieso) wobei dann einige nicht richtig einkakuliert hatten wo sich das Wasser wegen des  Rollens des Schiffes  gerade befand und konsequenterweise mit der Nase auf dem Decksboden landeten.

Es würde ein Buch füllen alle witzigen und auch skurrilen  Begebenheiten während dieser nur ein Jahr dauernden Zeit zu schildern, auch weil wir eine tolle Truppe waren.

Für viele war die Zeit auf ‚Johannes‘ die schönste  Fahrenszeit überhaupt und die Überlebenden unserer Gruppe haben seitdem Kontakt miteinander und treffen sich immer wieder bei teilweise sehr weiten Anreisen. Vorzugsweise in unserem Heimathafen: Emden.

Überhaupt Emden, ein ganz toller Hafen zu jener Zeit, mit tollen Kneipen und keineswegs irgendwelchen sog.’primitiven Seemannskneipen‘ und wo man immer jemanden traf mit dem man vorher schon zusammengefahren war  was dann zu tollen Abenden führte.

(nicht umsonst sind etliche der Kadetten nach Beendigung der ‚Johannes‘-Zeit nicht etwa sofort nach Hause gefahren, sondern da wurde noch eine Woche in Emden drangehängt und die nächsten Schiffe wurden gezielt auf das Anlaufen Emdens ausgewählt!)

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Gerresheim

ehemals Norden jetzt Lübeck

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