Reinhard Metzger auf der „MARY NÜBEL“

Der Elektriker

Zu den Hauptaufgaben des Elektrikers eines Stückgutschiffes gehörte die Wartung und Instandhaltung der Ladewinden. Diese Aufgabe musste auf einem Trampschiff, wie es die „MARY NÜBEL“ war, besonders sorgfältig wahrgenommen werden. Oftmals wurden Häfen angelaufen, in denen keinerlei Möglichkeiten vorhanden waren, mit denen Ladung übernommen werden konnte. Dann musste das Ladegeschirr des Schiffes eingesetzt werden. Ein Gleichstromschiff, wie es die „MARY“ war, stellte besondere Anforderungen an den Elektriker. Ein Blick in den Windenkontroller zeigt den mechanischen Aufwand der elektrischen Steuerung einer Gleichstromwinsch. Es mussten große Ströme durch das Zu-und Abschalten von Widerständen zur Drehzahlsteuerung – und das für beide Drehrichtungen- geschaltet werden. Das hatte Verschleiß an den Steuerkontakten zur Folge. Oftmals wurden einheimische Schauerleute eingesetzt, denen es völlig egal war, wie die Kontakte am Ende ihrer Schicht aussahen. Am Ende einer Reise mit manchmal 10 Lade- und Löschhäfen hatte der Elektriker alle Hände voll zu tun, um die Anlagen für die nächste Reise fit zu machen. Dazu war dann der Seetörn da. Bei gutem Wetter bekam er auch gerne Hilfe vom Maschinenpersonal. Es gab viel zu tun, die „MARY“ hatte 10 Ladewinden, dazu noch das Anker- und das Verholspill.

© Reinhard Metzger

Zucker für London

In Falmouth auf Jamaica wurde eine Ladung Zucker übernommen. Die Ladung war für London bestimmt. Mit ruder- und segelbetriebenen Leichtern wurden die Zuckersäcke zur „MARY“ rausgebracht, die draußen auf Falmouth-Reede vor Anker lag. Mit eigenem Geschirr übernommen landeten die Säcke anschließend im Bauch der „MARY“.

© Reinhard Metzger

Reis von Spanien nach Syrien

Die folgenden Bilder zeigen die „MARY“ in Latakia/ Syrien beim Löschen einer Ladung Reis aus Spanien. Eine Scene wie sie heute undenkbar wäre, damals aber, in Ländern wo Personal billig und reichlich vorhanden ist, ein normales Bild. Auch wie mit der Ladung umgegangen wird ist bemerkenswert. Die Pier liegt voll mit Reis aus geplatzten Säcken. Es ist jedenfalls eine Persenning gespannt, die verhindern soll, dass Ladung in den Hafen fällt. Der Verlust ist erheblich. Wen interessiert das, wer bezahlt das? Es ist sicherlich so egal, wie wenn in Latakia ein Sack Reis platzt.

 

© Reinhard Metzger

Die Kollegen von Reinhard Metzger

Die Besatzung der „MARY NÜBEL“ bestand überwiegend aus deutschen Seeleuten. Die „Emder Dampfer Companie“ war eine ostfriesische Reederei und so fuhren auch sehr viele Ostfriesen bei Nübel. Auf der „MARY“ sind manche Seeleute sehr lange gefahren, was sicherlich mit dem Fahrtgebiet des Schiffes zu tun hat – weltweite Trampfahrt – es war zu der Zeit nicht üblich, irgendwo auf der Welt nach einer bestimmten Zeit die Leute abzulösen. Das wurde erst gemacht, wenn die Leute zu teuer waren. Stichwort „Auslandszulage“ , die gezahlt werden musste, wenn man über ein Jahr keine drei Tage in einem europäischen Hafen gelegen hatte. Die staffelte sich dann in 5%- Monats – Schritten bis auf 20%. Fahrzeiten von 1 ½ – 2 Jahren waren keine Seltenheit.

© Reinhard Metzger

Die tierische Besatzung der „MARY NÜBEL“

Die „MARY NÜBEL“ hatte auch einen Anteil tierischer Besatzung. In den 60er Jahren war es nicht unüblich, wenn sich Schiffsbesatzungen allerhand „Viehzeug“ zulegten. Das war nicht immer ganz unproblematisch. In manchen Ländern verlangten die Behörden Papiere, die die Gesundheit der Tiere bestätigten, woher bekommen, wenn es sich um einen venezolanischen Straßenhund wie „Wölfi“ handelte. Der Affe von Ernst Richter hatte bestimmt auch keine „Gesundheitskarte“.

© Reinhard Metzger, Ernst Richter

Feste, Feierlichkeiten und Freizeit

Die Stimmung war gut auf der „MARY NÜBEL“. Man sieht es auf den Bildern. Deck und Maschine feiern gemeinsam. Zu Weihnachten wird feiner Zwirn angezogen und kräftig gesungen. Es gibt jede Menge deutsches Bier und „Wölfi“ ist meistens dabei.

© Reinhard Metzger + Ernst Richter

 

Schlechtwetter

 

Es gibt natürlich auch Schlechtwetter-Bilder, die Reinhard Metzger während seiner Fahrzeit auf der „MARY NÜBEL“ geschossen hat. Die sind da, wo sie hingehören => Schlechtwetter.

 

 

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Diese Bild wurde uns von Michael Skoruppa zur Verfügung gestellt

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